Jo's Geburt « Als Porto im Schnee versank » Geburtstag
Kategorien: Leben , Unterwegs,
Und so ergab es sich, das der Soulsnatcher sich entschloss, mit einer Maid nach Porto zu fliegen.
Die Stadt solle reizvoll sein, hies es. Der Portwein solle hervorragend sein, hies es, und erst der Fisch, hies es und...
Nun, der größe Mangel Portos ist jedoch, das es in Portugal liegt und Fluggäste über Spanien fliegen müssen.
Wir erreichten trotz des Wetters, trotz des Verkehrs und der Müdigkeit den Flughafen Hahn beizeiten, tranken in Ruhe noch einen Kaffee (Wichtig bei Auslandsflügen, man weiss nie, wie der Kaffee im Flieger und am Zielort ist) und checkten dann ein. Es gab auch keine Probleme mit den, morgens um 9 bereits Bier konsumierenden, Fussballfans die wohl zu einem Spiel wollten.
Beim Check-in wurden nur einmal Fluggäste vorgezogen, die nach Mailand flogen und ich dachte kurz daran, das die Maid doch eigentlich auch nach Rom wollte.
Dann das erste Problem. Die Schlange für den Flug nach Porto schien gefühlte drei Kilometer lang zu sein und wir standen ganz am Ende.
Zeit genug das Umfeld zu betrachten. Eine in kalten Farben gehaltene Wartehalle, mit einer Kaffeebar, den üblichen mittelmässig gepflegten Toilletten, dem üblichen, bunt beleuchteten "ich war mal ein Duty Free Shop" Laden und vielen Menschen.
Die Passagiere stammten wie immer aus vieler Herren Länder. Direkt vor uns Franzosen, erkennbar an der Sprache. Einige Portugiesen die sich wohl auf die Heimat gefreut haben mögen in der es immerhin rund 15 Grad wärmer sein sollte als in Hahn. Irgendjemand sprach Englisch und sah auch so aus. Die Franzosen vor uns - offenbar zwei Päärchen - wechselten sich ab: zwei standen Schlange mit den Koffern, zwei bummeltn durch die Läden, suchten das WC auf oder saßen auf den kalten Hartplastikschalensitzen.
Eine Frau mit stark spanischem Einschlag telefonierte unter Verwendung eben dieser Sprache mehrmals. Sie schien hektisch, angespannt und nervös. Die Maid mutmasste das sie wohl einen für sie wichtigen Termin haben mochte.
Um 10:00 Uhr sollte die Maschine starten. Die Maschine zu Portwein, Fisch und Geocaches.
Einer der Hooligans trank um 10:05 dann sein zweites Bier, es war immer noch nichts passiert und auf den aushängenden Monitoren stand immer noch das wir um 10:00 starten würden. Eher gelangweilte und genervte Reaktionen bei den Franzosen, keine Reaktion bei den Portugiesen und weiteres, hektisches Telefonieren bei der Spanierin, nun durch hektisches Nagelbettkauen unterstrichen.
Auch der Soulsnatcher und die Maid strahlten noch Ruhe aus. In Dublin hatten wir mal exakt eine Stunde Verspätung bei "Europas pünktlichster Airline". Also was solls.
Um 10:20 Uhr hatte die spanische Nagelhaut vermutlich die Stärke altägyptischen Pergamentes erreicht, die Augen über dem kauenden Mundwinkel schauten angespannt ins Leere während sie weiter nervös ins Handy plapperte. Die Franzosen saßen nun alle vier auf Stühlen und hatten scheinbar beschloßen das wir vertrauenswürdig genug wären. Da ich noch alle vier sehen konnte, machte ich mir auch keine Sorgen über allein gelassenes, vereinsamtes Gepäck und informietre daher auch nicht die Sicherheitsbehörden. Würde ja auch nur für noch mehr Verzögerung sorgen.
Um 10:30 Uhr dann die Durchsage, wie immer in nicht zu verstehender Qualität, das "...aufgrund der Sperrungen..." "...Flughäfen in Spanien und ..." "...Flüge leider gestrichen...".
Verwirrte Blicke, auch die englische Version eher unverständlich. Die Maid mutmasste das beträfe German Wings Flüge, der Soulsnatcher wies auf "Sperrung der Flughäfen" hin, was im allgemeinen alle Air Lines betrifft.
Zeitgleich tat sich was am Gate. Endlich die vertrauten Uniformen in dem Ryanairblau. Zwei freundliche Mitarbeiter die Tickets und Ausweise kontrollierten, eher flüchtig - aber es war ja auch schon spät - und dann der Durchgang auf das Rollfeld. Hier eine weiere Mitarbeiterin in Arktisfähiger Kalteschutzkleidung die alle Fluggäste mit freundlichem Lächeln zum Ausgang dirigierte.
Ausgang? Aber in der Halle stand keine Maschine, das wäre mir aufgefallen.
Das Gepäckband, ratlose Blicke bei einigen Fluggästen. Die Spanierin in Tränen aufgelöst, französische Flüche.
Tatsächlich wurde unser Flug gecancelt. Die eigenen Gefühle zwischen Wut und Hilflosigkeit.
Da lässt sich nichts machen. Die Frage nach dem warum wird im Moment drängender. Terrorwarnung? Wetter?
Dank iPhone ein Blick auf die Wetterkarte. Porto hatte 10 Grad und bewölkt. Da schließt man keinen Flughafen.
Auch am Flughafen Hahn schien nichts gesperrt denn da hob eben in diesem Moment ein Flugzeug ab.
Dann, in der Schlange vor den Ryanairschaltern - gefühlte 60 Kilometer lang, und jede Ordnung vermissen lassend - kam die Auflösung.
Wegen der Streiks in Spanien!
Ärgerlich ist gar kein passender Ausdruck. Zudem noch ein "wilder Streik". Was soll das? Vermutlich wollten irgendwelche Gewerkschaften wieder einmal einige Prozentpunkte in der Lohnerhöhung erpressen oder vielleicht noch einen Tag Urlaub rausschlagen oder sonst was.
Die Leidtragenden standen nun mit uns in diesem Pulk. Ryanair Mitarbeiter versuchten zu beruhigen, entschuldigten sich und erklärten das an dem belagerten Schalter umgebucht, oder am Nebenschalter das Geld zurückverlangt werden könne.
Wir entschloßen uns das Geld zu nehmen. Trotz aller Abenteuerlust war keine Lust mehr vorhanden irgendwo in Europa zu landen und erst mal nach einem Hotel zu suchen.
Im Nachinein: Schade eigentlich.
Der Plan B wude spontan gefasst: Fahrt zum Clan ins Sauerland. Nicht über Autobahnen, sondern über Landstrassen. Unterwegs ein nettes kleines Restaurant suchen und etwas essen.
Das Restaurant stand dann irgendwo im Westerwald, sehr gute Steaks, Eis zum Dessert und weiter fahren.
Irgendwann der Entschluss die letzten 120 km auf der Landstrasse zu machen, da der Clan bereits wartete.
Nach einigen Kilometern brach die Müdigkeit durch, dazu das schwere Essen, also steuerten wir einen Parkplatz an, stellten den Wecker auf 15 Minuten und machten ein wenig die Augen zu.
Ein kurzer Gedanke daran, das ich so wenigsten meinen Clan sehen konnte, dann war ich weg. Der Wecker riss mich aus traumlosem Schlaf. Der Wecker und die Kälte die in den Wagen kroch wie eine Mamba durch das Unterholz.
Der Motor sprang sofort an, 1ster Gang, 2ter Gang, 3ter, 4ter, 5ter, ein Schlag in der Lenkung, gegensteuern, aufblenden. Verdammt! Schnee! Und nicht eben wenig.
Es war 17:30 Uhr und normalerweise sollte ich jetzt in einem netten kleinen Fischrestaurant im Hafen Portos sitzen und von den leblosen Augen eines toten Atlantikfisches angestarrt werden. Stattdessen musste ich den Wagen davor bewahren die Leitplanke zu touchieren und von 120 km/h auf 80 drosseln.
Die nun folgenden 100 Kilometer waren ein einziges Wechselspiel zwischen dem Suchen nach Möglichkeiten die Spanier zu strafen und dem Versuch irgendwie heile zwischen den verschiedenen Arten deutscher Autofahrer hindurch zu kommen. Da sind die, mit den dicken Audis und Mercedes, die der Ansicht sind, das ihnen Schnee nichts anhaben kann. Sie kommen selbst bei dem Wetter noch mit 140 von hinten angebraust und malträtieren den Vordermann mit der Lichthupe. Und die, die wiederrum viel zu langsam fahren. Mit 50 über die linke Spur schleichen und Unfälle provozieren.
Natürlich sind wir heile angekommen, natürlich hatten wir einen schönen Familienabend, aber es war dennoch nicht Porto.
Am nächsten Tag versank das Sauerland dann endgültig unter 25 cm Neuschnee. Ein selbstquälender Blick auf die Wetterkarte: in Porto waren es 17 Grad. Plus, versteht sich.
Der Rückweg führte uns noch kurz über Luxemburg und irgendwann mitten in der Nacht erreichten wir wieder Zweibrücken. Mitten in einer Nacht in der wir eigentlich friedlich in einem Zimmer im Vera Cruz liegen sollten.
Ja, "unterwegs" waren wir schon, aber irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt.
Manchmal sollte man einfach auf seinen Bauch vertrauen, auch wenn dieser sagt: "Ich will nicht nach Rom, ich kenn Italien schon". Da half auch nicht die Nachricht, das in Spanien wohl das Militär die Kontrolle über die Flughäfen übernommen habe.
Ich würde jetzt gerne schreiben:
Gutes Reisen da draussen, wo immer auch auf den Flieger wartet.
doch unter den Umständen? Also:
Gutes Gewerkschaften da draussen, wo immer ihr auch weitere Vergünstigungen haben wollt.
Tags: Urlaub, Unterwegs, pralles Leben,
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5 Kommentare
06.12.2010; 15:12
Der Mundscheck hat Recht.06.12.2010; 22:12
Ja, sowas in der Art dachte Ich Mir schon als am WE so die News abgehört hab :-| Aber ein Abenteuer wars wohl auf jeden Fall ;-)06.12.2010; 22:12
Tja. Nun ist es gelaufen. Mittlerweile kontrolliert das militär die flughäfen.15.12.2010; 11:12
Tja, bissel Schwund ist halt immer.Auch auf Amazon
Montagsmundschenk
06.12.2010; 14:12
Und was lernen wir daraus?Der König sollte NIE WIEDER Flugreisen im November & Dezember planen! Oder liegt es an dem offensichtlich alkoholischen Grund seiner Reiseziele (Dublin 2009=Guinness, Porto 2010=Portwein), da hätte Rom aber auch nicht geholfen=Messwein...