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The Portsmouth Harbour is a place where a Dreamer with a Camera stundenlang verschwinden kann - und nach drei Tagen mit ausschliesslich englischsprachigen Menschen fällt es irgendwie schon ein bisschen schwer sich wieder an deutsch zu gewöhnen. ![]()
Nach einer Reise von knapp 820 km, durch Luxemburg, Belgien, Frankreich, einen Tunnel und England erreicht der Soulsnatcher dann endlich Portsmouth. Es wird bereits dunkel, ein wundervoller Sonnenuntergang zeigt sich über dem Hafen, als wir auf einem Hügel hinter der Stadt aus dem Wagen steigen. Zwischen düsteren, schweren Regenwolken versinkt in glühendem, dunklen Rot der zentrale Stern unseres Systems, die Stadt dagegen beginnt als Lichtermeer zu funkeln. Der Spinnaker Tower erhebt sich majestätisch über dem Hafen, vereinzelt sind die Positionsleuchten von Schiffen zu sehen, die Luft schmeckt nach Meer und der Wind zerrt an meinen Haaren und dem Kragen meiner Jacke. Ja, ich bin da. Am Meer, in England und bereit mich zwei Tage tief in der Britischen Geschichte zu verlieren.
Here i am, Portsmouth. ![]()
Der Morgen findet mich in einem Caravan in der Countryside, also auf dem Land. Die Stille, die frische Luft und die Fahrt haben mir stolze 8 Stunden Schlaf beschert was mich dann auch gut erholt aus dem Schlafsack kriechen lässt. Bereit um Portsmouth zu entdecken. Und da gibt es reichlich.
An Deck der HMS Warrior kann ich den Rauch erkennen der aus den beiden mächtigen Schornsteinen dringt, einige Meter in den Himmel steigt um dann vom Fahrtwind zerfasert und verteilt zu werden. Immer wieder gleiten kleinere Rauchschwaden über Deck, hüllen die dort arbeitenden Seemänner und Marines ein und lösen sich auf. Tapfer kämpft das ungewöhnliche Schiff gegen die hohe See, Gischt spritzt über den Bugspriet auf das Deck.
Wir sind auf der Jagd. Die Franzosen müssen irgendwo hier sein... ![]()
Mit einem Zwinkern erinnere ich mich daran, das die Warrior niemals gekämpft hat, dies wohl auch nie tun wird, sondern festgemacht am Kai liegt und die arbeitende Besatzung aus anderen Touristen besteht - zum Teil vielleicht sogar Franzosen?
Das ist etwas später auf der HMS Victory schon anders. ![]()
In eher unorthodoxer Formation durchbricht die britische Flotte unter Führung von Vizeadmiral Horatio Nelson die Feuerlinien der französisch-spanischen Flotte bei Trafalgar.
Die völlig überraschten Franzosen und Spanier sind leichte Ziele für unsere Kanoniere. Durch den Qualm unserer abgefeuerten Kanonen kann ich die Einschläge in den Schiffen unserer Feinde erkennen. Unser Hauptbramsegel haben wir verloren, mussten die Taue mit Äxten lösen und das Segel über Bord geben. Verwundete schreien und weitere Einschläge treffen unser Deck. Endlich sind wir nah genug an der "Bucentaure". Donnernd erwidern unsere Geschütze ihr Feuer, eine komplette Breitseite trifft auf ihren Heckspiegel, Holzstücke fliegen in alle Richtungen und ein gewaltiger Ruck geht durch das Schiff...
Doch den wohl größten Sieg seiner Karriere kann Nelson nicht mehr geniessen. Von der Kugel eines spanischen Scharfschützen getroffen bricht er an Deck der Victory zusammen und stirbt in den Armen Thomas Hardys. "Kiss me, Hardy", soll er gesagt haben. Als die Nachricht von seinem Tod die Männer der Flotte erreicht sind viele Seeleute weinend zusammen gebrochen.
Im D-Day Museum wird klar was für Anstrengungen getroffen werden mussten um die Normandie mit über 6000 Schiffen und tausenden von Soldaten zu erreichen. In der Nähe von Portsmouth, von Männern, die zum Teil noch nie selber einen Kampfeinsatz erleben mussten, ausgestattet mit einem unglaublichen Etat und Ressouren wurde eine der größten amphibischen Operationen der Geschichte geplant.
Die See ist rau, die Wellen hoch. Schwer zu sagen ob es Seekrankheit oder Angst ist, warum so viele Männer sich übergeben und den Inhalt ihrer Mägen auf das Holzdeck des Landungsbootes verteilen. Keine Sicht nach vorne, nur die stabile, gepanzerte Stahlklappe, die sich bald senken wird und den Blick auf die "Festung Europa" freigibt. Granaten schlagen an Steuerbord und Backbord ins Wasser, ihre Explosionen erzeugen Fontainen die das Seewasser in das Boot schleudern und die Kotze fortspülen. Wenn sie denn nicht eher zufällig eines unserer Boote treffen, die hölzernen Seitenwände zerfetzen, die Soldaten verwundet ins Meer werfen. Das Rattern der Maschinengewehre erklingt, erste Querschläger prallen von unserer Frontrampe ab und surren pfeiffend weiter. Dann fällt die Rampe nach vorne...
Der Geocache am Strand ist danach eine gute Erholung, entspannt etwas, lenkt ab von den vielen Waffen, Bildern und Exponaten. Von dem Gefühl auf einem dieser Landungsboote zu stehen, von dem Anblick verwundeter unter einem abgestürzten Gleiter, an denen man vorbei geht, während einer von ihnen um Hilfe funkt.
Ebenso notwendig wie sensationell: das indische Restaurant am Abend. "Kutis". Mit freundlichem Lächeln erhalten wir unsere Mahlzeit, die ein angenehmes Brennen im Mund erzeugt, ohne dabei zu verbrennen. Curry und Chilli gezielt und wirkungsvoll eingesetzt, ergeben eine Schärfe die wohltuend sein kann - und vergessen ist nach dem ersten lauwarmen Ale. ![]()
Im Royal Navy Submarine Museum wird eine geführte Tour durch die HMS Alliance geboten. Das Leben auf so einem U-Boot besteht in der Hauptsache aus zwei Dingen: klaustrophobischer Enge (im Übermass vorhanden) und dem Lauschen nach den Geräuschen in der Umgebung (wurde eingespielt).
Das hallende Piepen unseres Echolots wird schneller in ungefähr der gleichen Geschwindigkeit, in der sich das Geräusch der Schiffsschrauben nähert. Unsere Brücke ist komplett in rotes Licht getaucht. Wir schweigen. Horchen angestrengt auf das Echolot, das Rauschen und Stampfen. Dann bricht das Echolot ab. Das Schiff hat uns passiert. Wir horchen weiter. Hören das Platschen mit dem die Wasserbomben auf das Wasser treffen. Halten den Atem an. Dann durchbrechen die donnernden Explosionen die Stille... ![]()
Die Frage unseres Guide, ob irgendjemand der Ansicht wäre, dass dieses Szenario nicht beängstigend ist, bleibt mit Recht unbeantwortet. Die großen, zum Teil ängstlichen Augen der Kinder sagen mehr als genug. Ich bin auf alle Fälle froh, als sich die schwere eiserne Luke öffnet und mich die warme Herbstsonne von Portsmouth empfängt.
Der "Waterbus" bringt mich zurück zum Dockyard. Genau genommen die dritte Hafentour auf der "Jenny". Eine Rundfahrt, übersetzen zum Submarine Museum und anschliessend wieder zurück.
Eine massive Attacke von Eindrücken findet sich im Royal Marines Museum, doch das sind Marines nun einmal gewohnt: das Starten massiver Attacken. Mit zahlreichen Texten, Videos und Multimediavorführungen, anhand dutzender, erbeuteter Waffen und mit einiger Liebe zum Detail wird der Werdegang der Royal Marines von 1664 bis heute gezeigt. Vom einfach gekleideten Scharfschützen und Hilfskanonier zum Commando Soldaten bis hin zum "High Tech Warrior" der Neuzeit.
Der Beschuss der deutschen Artillierie, nur unterbrochen vom bedrohlichen Rattern ihrer Maschinengewehre scheint nie enden zu wollen. Wir liegen in unseren Gräben, ziehen die Köpfe ein und selbst die Ratten sind so verängstigt, das sie sich zu uns Menschen verkriechen. Wir ziehen die Köpfe ein und wünschen uns nur noch, dass der Beschuss endlich enden möge, dass vielleicht endlich der Befehl zum Angriff kommt. Nur raus hier aus diesem Todesloch. Wenn doch nur wenigstens der Schlamm nicht so stinken würde. Doch was kann der Schlamm dafür? Er entsteht durch das Wasser in dem zahl- und manchmal namenlose Soldaten beider Seiten verfaulen. In den dünnen Rinnsal, der um meine Stiefel spült, mischt sich ein dunkelroter Streifen. Nur ein paar Meter weiter gab es einen Volltreffer.
Dann endlich kommt der Befehl zum Sturm... ![]()
Die Pubs an diesem Abend sind häufiger mit Halloweenthemen verseucht, und es treibt uns zurück zum "White Lion", in dem wir schon am Vorabend ein letztes Ale nahmen. Wie in jedem richtigen - englischen und irischen - Pub, entspinnt sich schnell ein angeregtes Gespräch mit einigen Einheimischen und dem Wirt. Im Wissen das am nächsten Tag der Rückweg bevor steht, mahnt mein persönlicher Führer, zum Aufbruch. Das verhindert unter anderem auch, das ich zu viel Ale trinke.
Dies war wohl eine der beeindruckendsten Touren die ich gemacht habe. Phil zu verdanken, der mich an den richtigen Stellen auf den Weg schickte. Auch wenn drei Mahlzeiten am Tag zuviel für mich sind, bereue ich nicht eine davon. Im übrigen kommt es bei einer guten Tasse Tee auf die Feinheiten an: Das Wasser muss kochend in die Tasse (niemals warm oder lauwarm), dann wird der Teebeutel gedippt und bewegt. Abhängig von der gewünschten Stärke wird der dann wieder entfernt. Und dann Freunde, habt ihr guten Tee.
Und das ist das einzig Wichtige: nichts zu bereuen, eine gute Tasse Tee und vor dem zu Bett gehen ein artiges Gebet. Oder?
Wohin und mit wem mich mein nächster Trip bringt weiss ich noch nicht. Aber Portsmouth ist ein heisser Tip. Ein passendes Ziel für Kurzreisen- und auch längere Aufenthalte.
Gutes Aufhalten da draussen, wo immer ihr euch auch weilen möget.
PS:
Die ungefähre Route der Besichtigungstour dieser zwei Tage gibt es hier.
English (Google) Version.
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